Zwischen Urwald, Geschichte und Sternen – Meine Reise durch Französisch-Guyana, Suriname und Guyana

Es gibt Reisen, die nicht nur Orte verbinden, sondern Geschichten, Kulturen und Emotionen. Meine Reise durch Französisch-Guyana, Suriname und Guyana war genau so eine Erfahrung – eine Expedition in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, eingebettet in die wilde Schönheit des tropischen Regenwaldes.

Ankunft in Cayenne – Französischer als Frankreich

Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug schlug mir die tropische Wärme entgegen. Die anschließende Passkontrolle war überraschend – es gab sie nicht. Vom Flugzeug ging es direkt ans Gepäckband, den Reisepass hätte ich nicht benötigt.

Die Stadt selbst wirkte wie ein koloniales Relikt: bunte Häuser mit französischen Balkonen, Straßenschilder in Französisch, Cafés, in denen Croissants neben exotischen Früchten lagen. Bezahlt wird hier in Euro, meist bar – EC-Geräte sind rar.

Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine bewegte Geschichte – Französisch-Guyana war einst ein Handelszentrum für Zucker, Holz und Gewürze wie den Cayennepfeffer. Später wurde es zu einer Strafkolonie, die unzähligen Gefangenen das Leben kostete. 

Willkommen in Cayenne

Willkommen in Cayenne

Kourou – Europas Weltraumbahnhof

Am nächsten Tag ging es entlang der Küste nach Kourou – Hightech mitten im Dschungel. Der europäische Weltraumbahnhof Guiana Space Center ist ein faszinierender Kontrast: Hier, wo einst Sklaven und Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen lebten, starten heute Ariane-Raketen. Besucher werden schon bei Ankunft am Gelände von einem Modell einer Ariane-Rakete begrüßt. Das angeschlossene Museum bietet spannende Einblicke, während die Bustour über das weitläufige Gelände aus Sicherheitsgründen auf Distanz bleibt.

Am Abend ging es dann für mich zurück in die Gegenwart. Genau wie im Mutterland sind auch in Französisch-Guyana die meisten Restaurants (inkl. derer im Hotel) montags und dienstags geschlossen.  

Raumfahrtzentrum Guayana

Raumfahrtzentrum Guayana

Îles du Salut – Schönheit und Grauen

Am 18. November bestieg ich einen Katamaran zu den Îles du Salut, besser bekannt als die Teufelsinseln. Was heute ein spannender Tagesausflug mit – je nach Wetter etwas Abenteuer ist – war einst ein Synonym für Leid. Die Inseln wurden ab 1852 zum Inbegriff der „trockenen Guillotine“ Frankreichs. Obwohl die Île du Diable (Teufelsinsel), die berühmteste der Inseln (bekannt durch die Inhaftierung von Alfred Dreyfus), für Besucher größtenteils gesperrt ist, ahnt man auf Ile Royale die Verzweiflung der über 70.000 Gefangenen, die hierher verbannt wurden. Überwucherte Ruinen und winzige Zellen mit Gitterdach lassen erahnen, wie grausam das Leben war.

St. Laurent du Maroni – Das Tor zur Strafe

Am nächsten Tag erreichte ich St. Laurent du Maroni. Das Camp de la Transportation war der Ort, an dem die Gefangenen registriert wurden, bevor sie auf die verschiedenen Straflager aufgeteilt wurden. Schwere Eisenketten, enge Zellen, Kopfkissen aus Beton – stumme Zeugen einer Epoche, in der Menschen wie Ware behandelt wurden. Der berühmteste Gefangene war sicherlich Papillon (Henri Charrière) , dessen Zelle bis heute besteht. 

Suriname – Multikulti im Urwald

Anschließend ging es mit einem kleinen Holzboot über den Maroni Fluß nach Suriname. Die kleine Grenzstation in Albani vermittelte (wie so vieles während dieser Reise), als wäre die Zeit hier vor Jahrzehnten stehen geblieben. 

Während Französisch-Guyana klar französisch geprägt ist, zeigt sich Suriname als charmantes Multi-Kulti. Am eindrucksvollsten in der Küche: ein Schmelztiegel aus indischen, javanischen, chinesischen, kreolischen, niederländischen und portugiesischen Einflüssen.

Paramaribo – Ein koloniales Juwel

Paramaribo empfing mich anschließend mit seinem lebendigen, zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden historischen Zentrum, das eine faszinierende Mischung aus niederländischer Kolonialarchitektur und tropischer Lebendigkeit ist. Doch die Geschichten dahinter sind düster: Die Tour durch die Commewijne-Region führte mich zu alten Plantagen, wo einst Zuckerrohr und Kaffee angebaut wurden – auf dem Rücken versklavter Menschen. Die Plantagen zeugen von der brutalen Ära der Sklaverei und späteren Vertragsarbeit. Es ist ein bittersüßer Anblick, die ehemaligen Herrenhäuser zu sehen – manche sind verfallen, manche sind wunderschön restauriert.

Bis heute erkennt man auf google Maps die ehemaligen Parzellen der Plantagen. In den Vororten von Paramaribo gliedern sie die Stadtviertel, im Umland bis heute die Felder der Bauern.

Georgetown – Geschichte und Genuss

Am 23. November flog ich nach Guyana. Georgetown ist eine Stadt voller Kontraste: koloniale Architektur, lebendige Märkte und bunte Straßen. Die Taste of Freedom Tour erzählte die Geschichte von Zucker, Sklaverei und Emanzipation – ein Kapitel, das die Identität des Landes bis heute prägt. Mit wuseligen Märkten, kleinen Garküchen und farbenfrohen Taxi-Bussen fühlt sich Guyana sofort deutlich afrikanischer an als die beiden anderen Länder.

Ein Rum-Tasting rundete den Tag ab und gab einen süßen Vorgeschmack auf die karibische Lebensfreude. Demerara Distillers Ltd ist die letzte von einst über 300 Destillen und bis heute eine der spannendsten weltweit.

Kaieteur Falls – Das Herz des Regenwaldes

Dann kam das Highlight: Kaieteur Falls. Der Flug in einer kleinen Propellermaschine über den endlosen Regenwald war schon ein Erlebnis – ein grünes Meer, durchzogen von Flüssen und leider auch Goldminen. Und dann plötzlich: der Wasserfall. 226 Meter stürzt das Wasser in die Tiefe, umgeben von unberührter Wildnis. 

Die ganze Infrastruktur ist hier auf kurze Besuche ausgelegt: hinfliegen, innerhalb von 2 Stunden 2-3 Viewpoint besuchen und dann wieder zurück. Nur gut 8.000 Besucher haben das im vergangenen Jahr gemacht. 

Ich blieb über Nacht – einer von nur 87 Gästen im Jahr 2025. Nicht 2 Stunden Zeit, sondern 24 Stunden. Nicht 2-3 Viewpoints, sondern alle, mehrfach. In der Abenddämmerung und mit einer Tasse Kaffee im Sonnenaufgang. Gischt auf der Haut, das Donnern des Wassers im Ohr. Dazu eine phantastisch grüne Fauna gekrönt von dem leuchtenden orangen Guianan cock-of-the-rock und dem nicht weniger leuchtenden Golden Frog. 

Die Übernachtung auf Feldbetten, ohne Klimaanlage und Ventilator wird dabei völlig zur Nebensache und schließt gleichzeitig den Kreis zu Sklaven und Strafgefangenen. Die hatten ebenfalls weder einen Ventilator noch Klimaanlagen und hätten sich zudem über ein Feldbett sicherlich gefreut.

Abschied im Backyard Cafe

Zurück in Georgetown erlebte ich am letzten Tag eine Bootstour auf dem Mahaica-Fluss, wo rote Brüllaffen und Hoatzins die Szenerie prägten. Den Abschluss bildete das Backyard Café – ein verstecktes Juwel in einem verwunschenen Garten. Hier serviert Chef Delven Adams Guyanas Küche im Omakase-Stil: Er entscheidet über die Reihenfolge und Zusammensetzung der Gerichte. Vom Nationalgericht Pepper Pot bis zum berühmten Black Cake – ein kulinarischer Abschied voller Kreativität und Herz.

Im Backyard Café

Im Backyard Café