Sehr geehrte Frau Schnitzspahn,
Leider bin ich schon wieder eine Woche daheim und ich möchte es nicht versäumen, mich bei Ihnen für die perfekt organisierte Reise zu bedanken, die uns ins Pantanal, den Amazonas mit Manaus und Rio Negro sowie nach Praia do Forte und Salvador de Bahia geführt hat.
In Deutschland hört man ja seit Jahren fast nur noch negative Schlagzeilen, wenn es um Brasilien und speziell um die von uns besuchten Regionen geht – mit dem immer gleichlautenden Tenor:„Das Pantanal/der Amazonas brennt, das Pantanal/der Amazonas trocknet aus“ usw. Daher war ich vor der Reise entsprechend besorgt und habe mich gefragt, ob ich auf diese Reise, die ich schon seit über 40 Jahren machen wollte, vielleicht zu lange gewartet habe. Brasilien zeigte sich aber ganz anders, als man es sich in Deutschland vorstellt. Von diesen Katastrophenmeldungen haben wir so gut wie nichts mitbekommen (was nicht bedeutet, dass es die Probleme nicht gibt …). Es war einfach unbeschreiblich schön und perfekt organisiert. Alles lief wie am Schnürchen: Am Flughafenausgang wartete immer unser Fahrer oder Guide auf uns, und wir mussten uns um nichts kümmern. Erst im Nachhinein wissen wir es zu schätzen, was das in einem Land bedeutet, in dem die Sprachbarrieren so extrem hoch sind: Selbst Stewardessen und Flughafenmitarbeiter können kaum einmal ein Wort Englisch und es dauerte lange, bis ich einen Geldautomaten bedienen konnte.
Die Reise begann mit sechs Tagen in der UeSo Pantanal Lodge, inklusive dreitägiger Jaguarsafari. Gleich hier haben wir ins Schwarze getroffen. Diese Lodge liegt traumhaft schön auf einem riesigen Areal aus Wäldern und Sümpfen. Dort gibt es auch zwei Aussichtsstürme, von denen man besonders beeindruckende Sonnenauf- und -untergänge beobachten kann. Schon beim Bezug unseres Bungalows waren wir überwältigt. Von der Terrasse aus blickt man auf einen Teich, in dem sich Kaimane und Capivaras tummeln. Auf einem Baum direkt davor befindet sich ein Nest von Amazonenpapageien, die lautstark auf sich aufmerksam machen, und eine Vielzahl anderer Vögel lässt sich hier nieder, regelmäßig sogar ein wunderschönes Hyazintharapaar. Die nächtlichen Rufe dieser Tiere und den unvergleichlichen Sternenhimmel werde ich nie vergessen.
Ein Team von Guides organisierte die Ausflüge: Reitausflüge, Kanutouren auf einem Fluss mit unbeschreiblicher Vegetation und Vogelwelt sowie Exkursionen zu Fuß, auf denen uns die Fauna und Flora erklärt wurden. Wir konnten u.a. Vögel wie den Riesentukan, das inoffizielle Wappentier des Pantanal, beobachten. Die Guides zählten nicht nur einfach die Namen und Pflanzen und Tiere auf, sondern konnten dank ihres exzellenten Wissens auch die Zusammenhänge und Probleme, die es im Pantanal gibt und die seine Zukunft bedrohen, erklären. Peter, ein in Brasilien lebender Deutscher, gab sich viel Mühe und auch die anderen Guides sprachen ein gutes und verständliches Englisch – was in Brasilien, wie bereits erwähnt, nicht selbstverständlich ist.
Der Höhepunkt war jedoch die Fahrt in das Jaguargebiet. Nach einer etwa dreistündigen Fahrt auf der Transpantanaira mit beeindruckenden Ausblicken und Tierzüchtungen (u.a. ein Tapirweibchen mit Kalb, ein Sumpfhirsch und mehrere Emus) bezogen wir unser Quartier auf einem charmanten Hausboot. Von dort aus unternahmen wir zwei halbtägige und eine ganztägige Bootstour, um Jaguare, aber auch andere für das Pantanal typische Tiere wie Riesenotter, Kapuzineraffen und viele Vögel – etwa den Jabiru, einen größten flugfähigen Vögel der Welt – zu beobachten. Unser Guide Paolo Pedro war super engagiert, und die Ausflüge dauerten sogar länger, als im Programm vorgesehen. Ich hätte nie gedacht, dass wir Jaguare so nahe und in so vielfältiger Weise sehen würden: auf einem Baum ruhend, im Wasser schwimmend, am feuchten Ufer entlangstreichend und sogar bei der erfolgreichen Jagd auf einen Kaiman. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man bei der Jaguarbeobachtung nicht allein ist: Die Bootsführer stehen alle in Funkkontakt und wenn ein Jaguar gesichtet wird, kommen nach und nach weitere Boote mit Touristen dazu. Doch die allermeisten verhalten sich diszipliniert, und die Jaguare scheinen sich von den Beobachtern ohnehin nicht stören zu lassen. Einmal hatten wir das Glück, als Erste einen Jaguar zu entdecken, und konnten so für einige Zeit allein mit diesem wundervollen Jäger sein.
Man muss es auch so sehen: Der Jaguartourismus bietet dem Pantanal eine Chance, im Kern so zu bleiben, wie es ist. Je wichtiger der Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Region wird, desto größer sind die Möglichkeiten, sie vor zerstörerischen Projekten zu schützen.
Absolut beeindruckend ist auch die Landschaft im Jaguargebiet: langsam fließende mäandrierende Flüsse, teppichartig bedeckt von Inseln aus Wasserpflanzen. Teilweise ist im flachen Flussbereich die Kaimandichte so hoch, dass man theorethisch auf ihnen trockenen Fußes über das Wasser gehen könnte. An den Ufern befinden sich zwischen gelb- und rosablühenden Ipé-Bäumen immer wieder Mangroven mit ihren charakteristischen, ins Wasser reichenden Wurzeln.
In Manaus beeindruckten uns das Opernhaus, der Obst- und Fischmarkt mit seinem überwältigenden Angebot an tropischen Früchten und Amazonasfischen sowie das indigene Museum. Auch der botanische Garten MUSA, von dessen Aussichtsturm man den Regenwald quasi aus der Baumkronenperspektive beobachten kann, war ein Erlebnis. Unser hervorragender englischsprachiger Guide konnte uns viel Wissenswertes erzählen – auch über die Geschichte der Region.
Der Bootsausflug zum “Meeting of the Waters” war die einzige Station der Reise, von der ich mir etwas mehr erwartet hatte. Unsere Bootsführerin brachte uns zum nächstgelegenen Punkt, wo sich das dunkle Wasser des Rio Negro mit dem schlammigen Wasser des Rio Solimoes trifft. Sie erklärte kurz, warum sich diese beiden Ströme nicht sofort vermischen, und fuhr dann zurück. Ich hatte eigentlich gedacht, dass man dem Verlauf der beiden Flüsse noch ein Stück entlangfahren würde.
Die drei Tage in der familiär geführten Trapiche Eco Amazon Lodge waren prall gefüllt mit Ausflügen – auf dem Boot oder zu Fuß durch den Regenwald. Hier am Rio Negro mit seiner extrem langsamen Strömung beeindrucken vor allem die Stimmungen während der Bootsfahrten durch den Überschwemmungswald: die Spiegelungen der Bäume im dunkel getönten, aber kristallklaren Wasser, das in seiner glatten Oberfläche wie ein Spiegel wirkt. Je nach Lichteinfall entstanden faszinierende Effekte: vor Sonnenaufgang verfärbt sich das Wasser erst dunkelrot, dann silbrig, beim Sonnenaufgang wieder rötlich. Ähnlich waren die Stimmungen bei den Bootsfahrten bei Sonnenuntergang – untermalt von einer unglaublichen Vielfalt an Vogelstimmen.
Der Höhepunkt des Amazonasaufenthalts – besonders für meine Tochter – war der Besuch bei der Basis der rosa Flussdelfine. Mit den Delfinen zu schwimmen, ist schon ein besonderes Erlebnis. Auch der Besuch des Indianerdorfes war super interessant und inspirierend. Vito, der junge Mann von der Lodge, der sämtliche Ausflüge als Bootsführer oder Führer durch den Wald leitete, leistet hier einen großartigen Job, was man mit einem extra Trinkgeld für ihn anerkennen sollte.
Die Weiterreise nach Salvador de Bahia und Praia do Forte verlief reibungslos. Wir waren angenehm überrascht, dass uns bei unserer späten Ankunft am Flughafen von Bahia Markus, ein deutscher Reiseleiter, persönlich in Empfang nahm und uns bei der Fahrt nach Praia do Forte begleitete. Auch die Abholung vom Hotel und der Transfer zu unseren gewünschten Zielen war bestens organisiert.
Dies sind nur die wichtigsten Punkte unserer Reise, daneben gab es noch eine Vielzahl anderer Erlebnisse. Insgesamt bin ich tief beeindruckt von der hervorragenden Organisation durch Frau Schnitzspahn. Herzlichen Dank. Eine Reise nach Brasilien oder in ein anderes lateinamerikanisches Land würde ich künftig nur noch mit RuppertBrasil durchführen.